Liegt das Schlimmste hinter uns?

Investoren sehen dem nächsten Jahr noch immer mit großer Skepsis entgegen. Markus Herrmann, Manager des Deutschlandfonds der LOYS AG, erwartet eine Fortsetzung der Serie von Überraschungen. Lesen Sie hier, ob das gut oder schlecht für deutsche Aktien ist.

Mit 2022 geht das dritte Jahr voller Überraschungen zuende. Erst eine Pandemie, die nicht aufhört, dann ein Jahr geprägt von Lockdowns, aber auch Geschäftsschließungen – und dann dieses Jahr, in dem wir Europäer einen Krieg vor unserer geographischen Haustür erleben. Das hat die Stimmung bei Verbrauchern wie auch Unternehmern, gemessen an GfK- und ifo-Index, historisch tief in den Keller geschickt. Das aktuelle Wirtschaftsgeschehen dreht sich derzeit immer noch um Lieferfristen und Preisanstiege, vor allem bei Energie und Lebensmitteln. Anleger dürften sich inzwischen fragen, welche Überraschung die bestehende Unsicherheit jetzt noch steigern könnte.

Umkehrung der Preistrends im zweiten Halbjahr

Markus Herrmann, der Manager des Deutschlandfonds der LOYS AG, sagt dazu: „Ich wäre überrascht, wenn wir nächstes Jahr nicht auch wieder mit etwas Unerwartetem konfrontiert werden.“ Seine Erwartungshaltung ist jedoch eher konstruktiv. „Wir werden vermutlich ein zweigeteiltes Jahr erleben. Der Trend steigender Inflationsraten ist vorerst gestoppt. Die Teuerung arbeitet sich aber noch einige Monate weiter durch den Wirtschaftskreislauf. Erst im zweiten Halbjahr erwarte ich eine Umkehrung dieser Entwicklung. Dann allerdings könnten viele Investoren von dem Rückgang der Preisdynamik positiv überrascht werden.“ Herrmann verweist auf den Rückgang der deutschen Erzeugerpreise, die im Sommer um rekordverdächtige 45 Prozent im Jahresvergleich nach oben geschnellt waren.

Seitdem hat sich die Dynamik deutlich verringert. Historisch sind jährliche Preisschwankungen im einstelligen Bereich normal. Der starke Anstieg bei den Energiekosten hat Deutschland und Großbritannien allerdings am stärksten betroffen. Schaut man in die USA oder nach Asien, sind diese Trends viel moderater ausgefallen. So hat Asien eher unter den strengen Anti-Coronamaßnahmen gelitten, mit denen China die Ausbreitung des Covid-Virus zu verhindern sucht.

Für Herrmann ist die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft eine sogenannte Wildcard. „Hier besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Regierung ihre Einschränkungen zurückfährt.“ so der Manager. Eine Öffnung würde seiner Meinung nach eine schnelle Stabilisierung der Wachstumsraten bringen. „China profitiert ohnehin jetzt schon von der Möglichkeit, Öl und Gas zu niedrigen Preisen zu importieren. Eine schnelle Erholung käme vor allem auch deutschen Unternehmen zugute, deren internationale Aktivitäten vor allem auf das Reich der Mitte ausgerichtet sind.“

Aussichten besser als die Stimmung

Hierzulande haben Preisbremsen für Gas und Öl schon Wirkung gezeigt. Auf den Rückgang der Energiepreise während des Sommers haben deutsche Nebenwerte an der Börse sehr positiv reagiert. Parallel dazu haben viele Unternehmen mit Hochdruck an einer Umstellung ihrer Energiequellen gearbeitet, so dass sie weniger abhängig von den Gasimporten aus Russland sind.

Verbraucher profitieren im kommenden Jahr vielleicht sogar doppelt. In vielen Branchen wurden Lohnerhöhungen mit zweistelligen Prozentzuwächsen für die Angestellten durchgesetzt, während die jährliche Teuerung nächstes Jahr auf einstellige Prozentsätze zurückgehen sollte.

Schwierigkeiten könnten sich für die Börse eher aus den Folgen der Notenbankpolitik ergeben. „Bei der Inflationsentwicklung hat man erst lange tatenlos zugeschaut, um dann hektisch an der Zinsschraube zu drehen.“, so Herrmann. Die Anleihemärkte haben entsprechend mit Abverkäufen bei langlaufenden Papieren reagiert. Investitionen sind dadurch unerwartet teuer geworden. Das dämpft die Wachstumsperspektiven in kapitalintensiven Industrien. Dieser Pessimismus wurde 2022 an den Aktienmärkten wohl schon eingepreist. Erfahrungsgemäß bieten rezessive Phasen gute antizyklische Einstiege in gute Unternehmen.

Günstiger Zeitpunkt zum Einstieg

Statistisch drehen Aktienmärkte im Durchschnitt ungefähr ein dreiviertel Jahr, bevor sich positive Trends in der Realwirtschaft zeigen. „Wir haben schon seit Anfang Oktober eine unerwartet gute Kursentwicklung bei vielen unserer deutschen Nebenwerte beobachtet.“ führt Herrmann aus.

Er rechnet mit einer Fortsetzung dieser Entwicklung bei den Unternehmen, die über einen hohen Free Cashflow und ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell verfügen. „Mir sagte ein Vorstand eines Mittelständlers neulich im Gespräch, „Unternehmer sind eben keine Unterlasser“. Das kennzeichnet für mich die richtige Einstellung eines Firmenlenkers.“ meint Herrmann. „Krisen gehören für Manager wie für langfristige Anleger dazu. Entscheidend ist, wie man damit umgeht.“

 

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