Rückenwind für deutsche Unternehmen

Die Berichtssaison für die Ergebnisse des dritten Quartals läuft auf vollen Touren. Analysten und Anleger waren pessimistischer als nötig. Markus Herrmann sieht im Portfolio des Deutschlandfonds einen positiven Gewinntrend, der für das nächste Jahr aussichtsreiche Chancen verspricht.

Die Kalender von Analysten und Anlegern sind jedes Jahr ab Mitte Oktober besonders voll mit Terminen. Dann beginnt die Berichtssaison für die Unternehmensergebnisse des dritten Quartals. Mit den Bilanzen für den Zeitraum bis September lässt sich der Jahresverlauf gut einordnen. Die Manager geben den Aktionären obendrein einen Eindruck vom kommenden Jahr. Es lohnt sich also, jetzt aufmerksam zuzuhören.

Die Analystengemeinde ging wie immer mit gedämpften Erwartungen an die herbstliche Berichtssaison heran. Nicht zuletzt auch, weil die Perspektiven im Vorfeld von den Managern gern schlechter dargestellt werden als sie tatsächlich sind. In Fachkreisen nennt man das Erwartungsmanagement: Lieber vorher tiefstapeln, um dann für eine positive Überraschung zu sorgen.

In diesem Jahr war der Pessimismus jedoch größer als sonst. Dafür sorgten Energieknappheit und die geldpolitische Straffung der Notenbanken, die die allgegenwärtig überschießende Inflation wieder unter Kontrolle bringen müssen.

Überraschend positiv

Während in den USA die ohnehin abgesenkten Erwartungen kaum übertroffen wurden, sorgten viele europäische Werte für echte Überraschungen. Ihr Gewinnwachstum lag deutlich über den Prognosen. Im Gegensatz zu Nordamerika, wo Energie- und Rohstofftitel den Durchschnitt oben hielten, verteilte sich in Europa das Gewinnwachstum auf mehrere Industriezweige.

Im Deutschlandfonds der Loys AG profitierten gleich mehrere Titel von ihren Prognoseanhebungen. Dazu zählen unter anderem Hugo Boss, Jost oder auch Stemmer Imaging.

Unternehmenslenker kaufen selbst

Mehr Zuversicht drückten die Vorstände nicht nur verbal gegenüber der Investorengemeinde aus. Sie legten auch für sich selbst größere Beträge in den Aktien ihrer Unternehmen an. Insbesondere bei Hugo Boss kaufte der Boss, aber auch bei About You, TeamViewer oder Knaus Tabbert nutzten die leitenden Manager das aufsichtsrechtliche Zeitfenster für den Kauf von Aktien der von ihnen geführten Unternehmen.

Für Markus Herrmann, verantwortlicher Fondsmanager des Deutschlandfonds, ein starkes Signal dafür, dass die Phase negativer Nachrichten vorbei sein könnte. „Wir sehen in unserem Deutschland-Portfolio einen deutlichen Überhang an Unternehmen, die ihre Prognose anheben, statt sie zu senken.“ Zu den willkommenen Treibern zählt die Aufwertung des US-Dollar seit Beginn dieses Jahres.

Unerwarteter Rückenwind aus Amerika

Geschäfte, die in Dollar abgerechnet werden, deren Erlöse später aber in Euro in der Bilanz landen, bescheren den Unternehmen hierzulande etwas Rückenwind. Wer internationale Erlöse erzielt, wurde 2022 indirekt von der schnellen Anpassung der Kapitalmärkte an die Zinswende beschenkt. In den USA stieg die Verzinsung von Kapitalanlagen viel schneller an, als anderswo auf der Welt – mit Folgen für den Dollar. Die Kapitalnachfrage nach US-Anlagen hat die amerikanische Währung im laufenden Jahr um gut 15 Prozent nach oben getrieben. Über die Hälfte dieser Bewegung fand im dritten Quartal statt.

„Die Unternehmen profitieren gewissermaßen ungewollt, weil sie ihre Einnahmen in einer starken Währung erzielen, die sie am Ende des Berichtszeitraums in die schwache Heimatwährung Euro umrechnen.“ erklärt Herrmann. Ob das so bleibt, wird sich zeigen, wenn die Europäische Zentralbank bei den Zinsen nachzieht. Herrmann ist zuversichtlich. „Eine vollständige Umkehrung der Dollar-Stärke erwartet angesichts der Inflationsentwicklung im Euro-Raum kaum jemand. Eher geht man von einer Stabilisierung aus.“

Solide Bilanzen

Auf den Währungs-Rückenwind sind die Portfolio-Unternehmen jedoch nicht angewiesen. Bei der Titelauswahl handelt es sich um Werte, die die vielbeschworenen deutschen Tugenden im besten Sinne verkörpern. Erfindergeist gepaart mit präziser Umsetzung bei Produkten und Lösungen. Die Nachfrage nach dieser Qualität bleibt hoch. Darauf deuten volle Auftragsbücher der meisten Holdings hin.

Auch steigende Zinsen können den von Herrmann und seinem Team ausgesuchten Unternehmen wenig anhaben. Zwei Drittel der gehaltenen Titel haben sich bislang gar nicht verschuldet. Das verbleibende Drittel weist zwar auch Verbindlichkeiten aus; diese sind in ihrer Höhe jedoch so niedrig, dass sie für die Solidität der Bilanz keine Rolle spielen.

Günstiger Zeitpunkt zum Einstieg

„Viele Aktien büßten im Lauf dieses Jahres zum Teil über 50 Prozent an Wert ein, obwohl sie hochprofitabel wirtschaften und schon mehrere Krisen gut überstanden haben.“ führt Herrmann aus. Das steht aus seiner Sicht nicht im Einklang mit dem, was historisch in Wirtschaftsabschwüngen normalerweise zu beobachten ist: Im Schnitt verbuchen Unternehmen einen Gewinnrückgang von ungefähr 15 Prozent während einer Rezession. „Selbst wenn dieser Rückgang etwas höher ausfallen sollte, weil wir eine ausgeprägte Krise wie jetzt infolge des Ukraine-Kriegs erleben, fallen die Kursverluste bei vielen Titeln in diesem Jahr aus meiner Sicht übertrieben aus.“ so Herrmann weiter. Er rechnet mit einer Wertaufholung bei den Unternehmen, die über einen hohen Free Cashflow und ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell verfügen. Folgt die Entwicklung an der Börse den historischen Trends, dann sollten die Aktienmärkte ungefähr ein halbes oder ein dreiviertel Jahr vor der Konjunkturerholung drehen.

 

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